heute

ich hatte gestern geburtstag. wir waren samstag abend erst ein bisschen cocktails süffeln und dann in einer kleinen disco. drum and base lief.
um sechs uhr sind wir nach hause gefahren und um sieben waren wir im bett nachdem mein bastian und ich uns noch eine stunde gestritten haben. war eine kurze nacht.

dementsprechend war ich tagsüber auch drauf. wir stritten wieder.
ich war nur am heulen.
und ich war zu hause bei meinen eltern.
ich bin depressiv. heute noch.

ich hab nicht genug genossen, was ich hatte. ich war zu hause! und was mache ich? ich saufe mir die hucke zu, kiffe und bin an meinem 21 geburtstag schlecht drauf wie selten.

scheiße.

ich könnte mich selber ankotzen.
aber das macht man ja dann doch nicht.

auf dass der kommende tag besser werde.

26.11.07 10:38, kommentieren

my story - the show must go on

Nach besagter Nacht fühlte ich mich besser denn je. Ich beschloss einfach dann und wann eine Affäre zu haben und trotzdem meinen Freund zu heiraten. Ich konnte ihn ja schließlich nicht verlassen, jetzt, wo es ihm so schlecht ging und er auf Malta saß. Diesem Beschluss wollte und konnte ich nicht lange folgen, denn mein Gewissen kam dann doch zurück. Ich rief meinen Verlobten an. Ich sagte vorerst nichts. Er wusste bereits was los war. Er hatte es geahnt, als ich sagte, dass ich den anstehenden Maltaurlaub vielleicht nicht wahrnehmen wollte. "Hast du nen Neuen?" fragte er kalt. "Ja." sagte ich noch kälter. Ich hatte das nicht sagen wollen - aber ich konnte nicht lügen und ich wollte es auch nicht. Ich wollte meinen Verlobten nicht mehr heiraten, ich hatte Angst davor, ich fühlte mich eingesperrt mit diesem kranken Mann, mit seinen Marotten und Launen. Ich fühlte mich ihm verpflichtet, weil er krank war - und das war eigentlich nicht meine Vorstellung von Ehe. Also beschloss ich ihm alles zu erzählen. Zuerst vorsichtig, ohne details. Als er aber anfing mich zu beschimpfen und abzublocken wurde ich indiskreter und erzählte zu viel. Ich verletzte ihn. Und das wollte ich auch. Er wollte nicht länger mit mir sprechen. Er gab mir eine Frist. Entweder ich würde in sieben Tagen mit dem bereits gebuchten Ticket zu ihm fliegen und somit deklarieren, dass ich ihn zurück will, oder ich komme nicht und wir sehen uns nie wieder. Das wollte ich nicht. Ich wollte eine Pause. Er wollte nicht diskutieren und so legte ich unter zornigen Tränen auf. Dieser Zorn trieb mich Chris noch weiter in die Arme.

22.11.07 22:02, kommentieren

my story - Frühling

Wie schon im vergangenen Eintrag beschrieben, stritten Bastian und ich sehr häufig.
Zudem konnten wir uns nie richtig aussprechen, weil wir ja so weit weg voneinander waren. Neben all dem Beziehungsstress hatte ich noch mein Abitur zu schreiben.

Ich war vollkommen durch den Wind, begann wieder weniger zu essen, meine beste Freundin und ich waren fast nur noch auf der Rolle, tranken uns die überflüssigen Gehirnzellen weg und rauchten wie die Schlote.
Es war eine wundervolle Zeit. So voll von Schmerz, Angst vor der Zeit die anbrechen würde nach der Schule, Angst vor Krankheit, Mut weiterzugehen, Melancholie, Freude und und und. Kurz um: alle Gefühle in einem Menschen - das kann nur zum Chaos führen.

Und so kam es dann auch.
Ich nahm ab, legte wieder mal meine magersüchtigen Züge an den Tag und fühlte mich so Tag für Tag besser. Mein Selbstbewusstsein wuchs, ich konnte immer mehr jemand anders sein. Diejenige in mir, die stark war, die Macht hatte, die Männer bekam, wenn sie wollte. Die, die einfach alles bekommt, was sie will.

Klara (meine beste Freundin) und ich waren also mal wieder in unserem Stamm-Club als wir drei Jungs kennenlernten. Physiker. Der eine ein Freak, der zweite ein Honk und der dritte ein irgendwie zu klein geratener Kerl mit netter Muskulatur und netten Augen und Händen.

Wir begannen, mit diesen Jungs zu reden. Einfach so. Der kleine, den ich wohl schon von Anfang an ins Auge gefasst hatte, machte sich an Klara ran. Wie gut für mich: Klara stand nicht auf Männer, die kleiner sind als sie - also wimmelte sie ihn ab. Immer wieder.
Wir trafen diese Jungs nun jeden Abend, wenn wir im Club waren. Natürlich, wie es kommen musste, hatte ich meinen Verlobungsring an dem Tag, an dem wir uns kennenlernten vergessen und ich erzählte von meiner Verlobung. Natürlich glaubte man mir nicht so recht und schon garnicht, als ich dann das nächste Mal mit einem Ring ankam. "Haste dir geliehen, was?"
Der kleine, nennen wir ihn mal Christoph, machte sich noch einmal an Klara ran - und als er versagte, schneppte er mich am Arm und zog mich in einen etwas ruhigeren Bereich des Clubs. Er fragte mich, wie er denn an meine Freundin ran kommen könne und eigentlich flirtete er wie ein Weltmeister. Ich spielte mit.

Und damit war wohl der erste Schritt in die Untreue getan.
Wir tranken viel, wir waren beide unter Liebeskummer einfluss - und so kam es, dass wir darüber philosophierten, ob Mann und Frau sich treffen kann, ohne sexuelle Hintergedanken. Ich sagte nein, er behauptete ja und so beschlossen wir, es zu probieren.

Ich wusste, dass ich mit dem Feuer spiele - aber ich konnte mir einreden, dass er ja Klara will und dass er sich bloß mit mir treffen möchte zum quatschen.

Wir trafen uns. Allein. Alles fing harmlos und peinlich an. Als der Alkoholpegel angestiegen war, bevorzugten wir unseren Club der Kneipe in der wir saßen. Dort tranken wir weiter - und es passierte, was passieren musste. Wir kamen uns zu nah. Wir küssten uns. Nicht kurz, nicht einmal. Wir hatten Spaß.

21.11.07 11:22, kommentieren

my story - die letzte zeit

Mein Name ist, sagen wir mal, Marianna.

Ich bin 20 Jahre alt, wohne mit meinem Verlobten in einer mittelgroßen Stadt in einer netten Wohnung. Wir wohnen noch nicht lange hier. Ungefähr vier Monate.

Soviel zu meinen äußeren Umständen.

Mein Freund ist krank. Er war schon krank, als wir uns kennenlernten. Er hat eine chronische und deshalb weitgehend unheilbare Krankheit, welche sich Sarcoidose schimpft.
Vor ein paar Monaten war er für fast ein Jahr auf Malta und hat dort gearbeitet. "Managing Director" war er.
In dieser Zeit, eine beschissene Zeit für unsere Beziehung, besuchte ich ihn öfters für ein zwei Wochen.

Letztes Jahr im Oktober war ich wieder einmal bei ihm, nennen wir ihn im Folgenden mal Bastian, und es kam, was kommen musste.
Mit der Sarcoidose schien der Körper noch nicht genug seltene Krankheiten zu haben, nein, er entschied sich noch eins drauf zu setzen.

Wir kamen nachmittags vom Strand, es war eigentlich schon zu kalt zum baden, und ich machte mich ans essen machen. Einen Salat, bunt gemischt mit allem Möglichen Gemüse und Käse und und und. Dabei hörte ich recht laut Radio. Bastian hatte sich etwas hingelegt, er war sehr müde, was nicht selten war, denn er schlief nachts ziemlich wenig. Irgendwann hörte ich einen dumpfen Schlag. Ich dachte mir nichts dabei, rief aber trotzdem lachend in richtung Schlafzimmer ob alles okay sei. Es kam keine Antwort. Ich rief nochmal lauter, dachte mir immer noch nichts. Doch es kam wieder keine Antwort.
Ich ging langsam richtung Schlafzimmer, hörte auf dem Weg noch ein paar seltsame Geräusche - und danach ist alles, was ich erlebte heute bereits verschwommen.

Ich sah viel Blut, ich sah meinen Freund auf dem Boden liegen. Er hatte die Augen geöffnet und starrte in die Leere. Er bewegte sich nicht, er blutete nur und starrte. Ich fing an ihn anzuschreien, rief seinen Namen, packte ihn und versuchte ihn zu rütteln - doch nichts geschah. Der Blick blieb der selbe, das Blut war das selbe.
Und ich erwachte auch leider nicht aus einem bösen Traum.

Wir hatten dort kein Telefon, ich hatte keine Ahnung, so blöd es auch klingt, welche Nummer der Notruf hat. Ich war verwirrt, ich hatte Angst, stand unter Schock.
Ich versuchte meinen Freund in stabile Seitenlage zu legen - pustekuchen. Ich kam nicht genug an ihn ran (er lag zwischen Bett und Schrank) um ihn ziehen zu können oder sonst irgendwas. Nichts ging. Aber ich hörte ein leises Athmen.

Ich rannte raus, klopfte wie wild an die Tür meiner unbekannten türkischen Nachbarn. Irgendwann machten sie auf. Ich schrie auf englisch, dass ich hilfe brauche, dass mein Freund blutet und dass er nicht bei sich ist. Ich weiß nicht, wie unverständlich ich redete - aber irgendwie verstanden sie, was phase ist und riefen den Notruf an. Ich war ihnen so dankbar!

Als ich das hinter mich gebracht hatte, rannte ich wieder rein, versuchte irgendwie meinen Freund wach zu bekommen. Er reagierte nicht.
Plötzlich fing er an, zu röcheln, stärker zu athmen. Er hatte Schaum vorm Mund und dieser Schaum löste sich langsam wieder auf, was ihn zum husten brachte. Er kam leicht zu sich, seine Augen flackerten wie wild durch den Raum - doch er reagierte immer noch nicht auf meine Worte oder sonstiges.

Kurz bevor der Krankenwagen kam, begann er aufzustehen, er taumelte, war völlig benommen, fiel beinahe nochmal hin. Ich konnte keineswegs mit ihm reden, meine Worte drangen nicht zu ihm durch. Ich betete die ganze Zeit. Er war wie ein kleines Kind. Er reagierte nicht, wimmerte, wälzte sich in seinem eigenen Blut und anderen Exkrementen.
Dann endlich kam der Arzt. Er konnte schlecht englisch und ich war so froh, dass endlich Hilfe da war und so geschockt von allem, dass ich sowieso nichts mehr konnte, außer zittern und rumrennen.

Ich versuchte denn noch zu erklären was passiert ist. Die Sanitäter holten einen Rollstuhl, hieften Bastian hinein und brachten ihn in den Krankenwagen. Viele Menschen standen um den Krankenwagen herum. Touristen, Malteser, Nachbarn. Ich hätte sie am liebsten alle geschlagen und getreten und ermordet. Mein Freund saß da gedemütigt in seinem Rollstuhl, jaulte wie ein Welpe und war nicht ansprechbar - und all diese fremden, sensationsgeilen Menschen gafften ihn an. Ich versuchte mich zurück zu halten. Es gelang mir auch. Ich wurde in den Krankenwagen beordert.
Dort kam mein Freund dann langsam wieder zu sich. Heute sagt er, dass das die ersten Bilder sind, an die er sich wieder erinnert.
Er fragte mich: "Wann fliegt denn dein Fliugzeug? Musst du nach Hause?"
Mein Abreisetermin war noch beinahe eine Woche entfernt, ich war verwirrt und konnte endlich ein paar Tränen raus lassen. Ich klärte ihn auf, wie lange ich noch bleiben würde und beruhigte ihn, dass alles wieder gut werden würde.

Im Krankenhaus angekommen merkte ich, wie kaputt ich war. Mein Freund war immer noch nicht komplett bei sich.
Er wurde auf seiner Bare ins Krankenhaus geschoben und von einer Ärztin behandelt. Sie kannte seine Krankheit sogar. Trotz allem wusste man nicht, was dieser Anfall zu bedeuten hatte.
Bastian wurde geröncht, unters CT und MRT geschoben, seine Gehirnströme wurden gemessen und sein Herz untersucht.
Nichts fand sich.

Nachdem er all diese Untersuchungen hinter sich hatte, sollte sich noch mal ein Neurologe um ihn kümmern. Wir warteten bestimmt drei Stunden. Bastian bekam immer mehr Schmerzen im Rücken, sodass er irgendwann sogar anfing zu schreien und brüllen, wie ein Tier. Ich versuchte ihn zu beruhigen und ihn besser zu lagern auf seiner Bare - doch das war unmöglich, er war viel zu schwer für mich und bewegen konnte er sich auch nicht vor Schmerz.

Irgendwann, es waren Stunden vergangen, kamen wieder ein paar Ärzte. Allergologen, ein Neurologe und schließlich ein stink normaler Arzt der ihm Schmerzmittel gab. Seine Schmerzen ließen nach.

Nachdem wieder einige Zeit vergangen war stand fest, dass er eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben sollte. Ich kannte niemanden auf Malta und die Kontakte die Bastian hatte, waren geschäftlicher Natur. Ich versuchte diese Leute anzurufen - doch ihre Handys waren aus.

Vorher, als die Sanitäter Bastian abgeholt hatten von seinem zu Hause, hatte ich vergessen ihm frische Kleider und Schuhe mit zu nehmen. Ich hatte an fast alles gedacht aber daran nicht. Sein Shirt war Blutverschmiert und seine Badehose war noch voller Meersalz und zusätzlich etwas Urin.

Da das Krankenhaus außerhalb lag und ich mich nicht auskannte, es außerdem schon dunkel war, musste ich wohl oder übel mit im Krankenhaus bleiben. War mir eigentlich auch ganz Recht so.

Bastian wurde also irgendwann auf die Neurologie geschoben. Ein Zimmer wo schon vier andere Männer lagen. Das Zimmer war klein und unordentlich, Krankenhausathmosphäre herrschte in keiner Weise. Es roch nicht mal nach Sterilium.
Ich war froh, dass endlich klar war, wie es nun weiterginge. Ich hatte Angst, dass Bastian tatsächlich länger hier bleiben musste, in dieser irgendwie ausländerfeindlich scheinenden Krankenbehausung.
Sobald Bastian auf dem Zimmer war, schlief er auch schon ein. Er war müde, vollkommen geschwächt von dem wohl epileptischen Anfall.

Auch ich war nicht lange wach. Im Zimmer standen ein paar Sessel rum. Ich knuffte mich in einen hinein, neben Bastians Bett, und schlief ein. Ich schlief nicht lange und wurde immer wieder wach. Wir waren vielleicht um 1uhr aufs Zimmer gekommen, um 2 schlief ich ein und um sechs, mit unterbrechungen, wachte ich wieder auf.
Es war hell.

Wir warteten. Auf was? Das wussten wir auch nicht. Es war Sonntag, das hieß warten warten warten. Auf Malta mahlen die Mühlen eh langsamer.

Irgendwann kam eine vertretung des Arztes, der wohl Dienst hatte, aber noch nicht da war oder noch nicht wach war oder beschäftigt - wer weiß. Jedenfalls entließ Bastian sich selber.

Unter Schmerzen, Barfuß, mit Blutverschmiertem Hemd ging Bastian und ich neben ihm, zum Ausgang. Wir versuchten ein Taxi zu bekommen, bekamen eines und waren irgendwann zu Hause. Es war schrecklich. Bastian war seltsam, er war meiner Meinung nach immer noch nicht ganz normal und ich hatte Angst. So große Angst.
Was wenn all das nochmal passieren sollte?

Am Folgenden Tag, während ich Geschirr trocknete fasste ich den Entschluss, der mir des nachts im Krankenhaus  eingefallen war. Ich liebte diesen Mann sehr, ich hatte so große Angst ihn zu verlieren, ich wollte ihn niemals verlieren und ich sah mich vor einem so großen Loch, wenn ich daran dachte, ihn nicht mehr zu haben, dass ich beschloss, ihn heiraten zu wollen. Ich dachte noch eine Nacht darüber nach, und tat, was ich tun wollte.
Während ich also Geschirr abtrocknete stand er mir gegenüber und ich machte ihm einen Heiratsantrag.
Es war unheimlich peinlich und unromantisch - aber er sagte "Ja". Seit diesem Tage also, dem 23.9.06 sind wir verlobt.

Die Angst vor einem neuen Anfall lähmte mich trotz all dem schönen - und ich wollte nur noch nach Hause.
Mein Flug allerdings war erst in einer Woche gebucht.

Es passierte nichts mehr. Ich hatte zwar Angst Bastian auf Malta allein zurück zu lassen - aber das war mir lieber als wenn ich noch mit ihm in dieser tristen, angsterfüllten Einsamkeit hätte bleiben müssen. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte reden, wollte alles erzählen was passiert war, wollte mich meiner Mama in die Arme schmeißen und weinen. Und das konnte ich dann bald wieder. 
Der Zeitpunkt der Heimreise war da.

Eine Woche nachdem ich wieder zu Hause war, telefonierten wir über Internet. Bastians Arm wurde Taub, seine eine Gesichtshälfte. Ich wusste nicht, was ich machen soll. Ich malte mir alle möglichen Horrorszenarien aus. Bastian stirbt, während ich am anderen Ende des Telefons sitze und solche Dinge.
An diesem Tag allerdings waren seine geschäftlichen Kontakte erreichbar. Eine Kollegin, eigentlich auch Freundin, kam sofort und brachte einen Arzt mit. Bastian kam wieder ins Krankenhaus. Diesmal aber in eine Privatklinik.
Man stellte die Diagnose.
Neurosarkoidose.

Nach diesem Besuch wo Bastian seinen Anfall hatte, hatte ich jedes Mal, wenn ich wieder nach Malta kommen sollte Angst davor. Ich kam noch ein Mal. Es war schrecklich. Ich sah immer wieder diese Augen, diese ins leere starrenden Augen. 
Bastian besuchte mich noch zwei Mal in Deutschland.

Zwischendurch am stritten wir viel am Telefon. Eigentlich nur noch.

Ich hatte mir verlobt-sein anders vorgestellt.

20.11.07 17:13, kommentieren